von Anne Dill und Charlotte Scheller zum Nachlesen über dem Video-Link
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CS: Jesus sagte: 23 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr den Vater um etwas bitten werdet in meinem Namen, wird er's euch geben. 24 Bisher habt ihr um nichts gebeten in meinem Namen. Bittet, so werdet ihr empfangen, auf dass eure Freude vollkommen sei. 25 Das habe ich euch in Bildern gesagt. Es kommt die Stunde, da ich nicht mehr in Bildern mit euch reden werde, sondern euch frei heraus verkündigen von meinem Vater. 26 An jenem Tage werdet ihr bitten in meinem Namen. Und ich sage euch nicht, dass ich den Vater für euch bitten werde; 27 denn er selbst, der Vater, hat euch lieb, weil ihr mich liebt und glaubt, dass ich von Gott ausgegangen bin. 28 Ich bin vom Vater ausgegangen und in die Welt gekommen; ich verlasse die Welt wieder und gehe zum Vater. 33 Dies habe ich mit euch geredet, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.
Beten.
TP: Vor kurzem erst hat die junge Familie ihre erste Wohnung bezogen, in einem alten Harzer Fachwerkhaus in Zellerfeld in der Nähe des Bergwerksmuseums.
Der Flur ist gemeinsam für alle Parteien im Haus und geht über alle Etagen. Kinderzimmer und Küche hängen zusammen, aber nur über den großen Flur kommt man in die Stube und von dort ins Schlafzimmer. Er studiert, hat gerade sein Vordiplom gemacht. Eltern und Großeltern helfen, damit aus dem jungen Paar mit Kind eine Familie werden kann. Die Tochter ist gerade ein Jahr alt, flitzt aber schon auf ihren kleinen Füßen zwischen Küche und Kinderzimmer hin und her. Oft spielt sie ganz gedankenverloren mit Puppen und ihrem kleinen Küchengeschirr, mit Bauklötzen und Bilderbüchern. Und dann, ganz plötzlich, unterbricht sie ihr Spiel, klettert mühsam auf den einzigen großen Erwachsenen- Stuhl in ihrem Zimmer, legt ihre Hände in den Schoß senkt den Kopf, murmelt einige unverständliche Dinge und am Ende dieses Monologs hört man: Ahmmmmmm. Dann krabbelt sie vom Stuhl herunter und spielt weiter. Nach einiger Zeit wiederholt sich diese Prozedur.
Was macht das Kind? Sie hat ihre Mutter in der Küche nebenan beobachtet. Und gesehen, dass die junge Frau gebetet hat, während sie ihre Arbeit verrichtete. Und so schon, ohne den Sinn und die Worte verstehen zu können, das Gebet zu einem Teil ihres Lebens gemacht.
CS: "Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr den Vater etwas bitten werdet in meinem Namen, so wird er's euch geben". Verstanden haben die Jünger damals nichts von dem, was Jesus ihnen sagte. Auch nicht, dass es gewissermaßen letzte Worte waren, bevor er sterben musste. Dass er sterben musste, haben sie damals auch nicht begriffen. Nur seine Angst werden sie gespürt haben, die Verzagtheit über das, was ihm bevorstand. Und womit er, vom himmlischen Vater abgesehen, allein war. Auch wenn sie doch bei ihm waren, seine Jüngerinnen und Jünger, die besten Freunde. Er war allein.
TP: Aber vom himmlischen Vater absehen, das konnte er eben nicht und genau das war ja sein Vermächtnis. Das wollte er ihnen unbedingt weitergeben. Wort und Klang als Wegzehrung, als tägliches Brot, als Waffe gegen Angst und Bedrängnis. Wenn ihr den Vater um etwas bitten werdet in meinem Namen, so wird er's euch geben.
CS: "Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen". Halblaut spricht die Frau die Verse vor sich hin. "Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat". Jeden Abend ist sie hier draußen auf dem Feld, wenigstens jeden, an dem sie gehen kann. Wenn die Dämmerung kommt und der Weg menschenleer ist. Ein Spaziergang vor dem Schlafengehen, ein Gebet gegen die Angst. Die Angst ist körperlich wie die Krankheit. Die bedroht ihr Leben, eine sehr reale Bedrängnis. Deshalb muss das Gebet auch körperlich sein. Mit gebeugtem Rücken steht sie da, dann richtet sie sich auf, hebt die Augen, den Kopf, die Hände auf zum Herrn. Sie muss im Freien beten, den Himmel über sich, kein Hausdach, keine Kirche, kein Pastor darf sein zwischen ihr und dem Schöpfer, wenn sie zu ihm ruft mit den Worten des alten Psalms. Weil sie selbst keine Worte hat. Weil Jesus gesagt hat, ihr könnt direkt zu ihm beten, denn er selbst, der Vater, hat euch lieb. Weil ihr mich liebt und glaubt, dass ich von ihm komme. Und wenn er nicht hilft? Wenn die Krankheit gewinnt und sie doch sterben muss? Wenn sie nicht nur nicht beten, wenn sie gar nicht glauben kann? Er selbst, Jesus, ist auch diesen Weg gegangen, die Angst, die Bedrängnis kennt er auch, er leugnet sie nicht. Aber "seid getrost", sagt er. "Ich habe die Welt überwunden". Das heißt nicht, dass die Bedrängnis verschwindet, jedenfalls nicht jetzt gleich. Aber das Gebet holt die Hoffnung in ihr Herz zurück. Bevor der Tag vergeht, will sie den Horizont sehen, das Abendrot. Es verspricht, ein neuer Tag kommt und wird schön und die Enge und Not und die Schmerzen sind am Ende überwunden.
Klar sehen.
TP: Zurück zu den Jüngern. Nach Ostern haben sie sich wieder erinnert. Die letzten Worte ihres Freundes und Lehrers Jesus. All das, was er ihnen gesagt hat, um sie vorzubereiten auf den Abschied, von dem sie nichts wissen wollten. In Bildern hat er zu ihnen geredet, wie sollte man sonst reden von dem Unvorstellbaren, vom nahen Tod, vom Ende aller Hoffnungen und Pläne. Wenn alles anders geworden ist, hat er gesagt, wenn nichts mehr ist, wie es war, könnt ihr immer noch beten. Ihr könnt euch beim Beten auf mich berufen. Und wie ihr jetzt mit mir redet, ein Mensch zum andern, so könnt ihr mit Gott reden. Damals dachten sie, er spricht in Rätseln. Aber jetzt, nach Ostern, dämmert es ihnen. Mit Gott können wir so klar über uns reden, wie wir es sonst nirgends tun. Weil wir uns für unsere Ängste schämen, weil wir kein Mitleid wollen oder unsere Mitmenschen schonen möchten oder weil wir ganz einfach nicht klar sehen. Wir haben gute Gründe, nicht Klartext zu reden vor anderen oder uns selber. Aber wenn wir mit Gott reden, darf und soll es in Jesu Namen anders sein. "In der Welt habt ihr Angst", sagt Jesus und es gibt auch jetzt viel Anlass dazu. Unwetter und Dürre. Die Pandemie und wie ihr die Menschen in armen Ländern absolut wehrlos ausgeliefert sind. Der Hunger der kleinen Kinder auf Madagaskar. Das mag weit weg sein, aber oft genug bin ich es selbst, der mir Angst macht. Die Welt ist ja nicht nur draußen, ich bin ja ein Teil von ihr. Nie war ich besser informiert, ich habe die Wahl, das Gute zu tun, aber mein Verhalten widerspricht meinen Einsichten. Bewusst oder unbewusst, ich bin in die selbstzerstörerische Dynamik der Welt verstrickt.
CS: "Angst", hat Luther übersetzt. Druck steht da im Griechischen, Bedrängnis. Enge. Das hat Jesus auch alles kennengelernt. Deshalb können wir in seinem Namen Gott unsere Angst sehen lassen. Jesus weist seine Freunde darauf hin, dass er die Welt mit ihrer Bedrängnis überwunden hat. All das sage ich euch, damit ihr in mir Frieden habt. So zeigt er uns das Abendrot, den Horizont unseres Daseins. Wir können die Angst und die Gründe, warum wir Angst haben, nicht leugnen. Aber wir müssen sie auch nicht über uns bestimmen lassen. Weil wir hoffen, dass die Welt mit ihren engen Grenzen nicht das Letzte ist. Weil wir nach dieser Welt einen neuen Himmel sehen können und eine neue Erde. Weil wir mit dieser Aussicht manchmal jetzt schon Frieden haben in ihm.
Hoffnunghereinlassen.
TP: Und wenn ich einfach keine Zeit habe zum Beten? Wenn kein Raum dafür in mir ist, kein Ort in meinem Tag, keine Ruhe vorhanden, kein Mensch, der mit mir singt oder betet? Mit Gott zu reden, kann ganz unorthodox geschehen. Ein kurzer Augenblick vor dem Schlafengehen. Ich lege den Tag mit allem, was ihn belastet oder schön gemacht hat, in Gottes Hände zurück. Ein Tischgebet. Ich danke Gott für das Gute, das er mich schmecken und sehen lässt, und bitte, dass es mir und anderen zum Segen werde. Ein Lied, ich stimme mit ein in der Kirche oder beim Kinder ins Bett bringen und dann klingt es in mir nach. Ein Satz aus der Bibel, ich habe ihn am Sonntag gehört und rufe ihn mir wochentags wieder ins Gedächtnis, bevor ich den Rechner hochfahre und mit der Arbeit anfange. Die Stimme eines Vogels, sie dringt im Morgengrauen durchs Fenster zu mir herein und kündigt das Ende an einer zergrübelten Nacht und ich begrüße leise den neuen Tag, den Gott mir schenkt. In Jesu Namen. Amen.
Quelle: S. Hofschlaeger/pixelio.de (1); Charlotte Scheller (2,3)
Audio direkt unter diesem Beitrag CS: Hier, ich hab‘ eine Karte gekriegt.
AD: Zeig!
CS: Eine sehr schöne Karte mit Frühlingsblumen, aufgeklebt, selbst fotografiert. Ich klappe sie auf und da steht: „Dankeschön, dass es dich gibt!“. Ich hab‘ mich total über diese Karte gefreut!
AD: Weißt du, woran mich das erinnert? Es gibt, seit Anfang von Corona, glaube ich, so ein Hashtag, eine Überschrift in den sozialen Medien also bei Facebook, Instagram und Twitter: Drei Dinge zum Lob. Darunter schreiben die Leute Kleinigkeiten, worüber sie sich an diesem Tag gefreut haben, die sie nicht vergessen wollen. Zum Beispiel: Die roten Tulpen vor meinem Fenster. Oder: Der Autofahrer, der mich angelächelt hat, obwohl ich ihm die Vorfahrt genommen habe.
CS: Das schreiben die unter „Drei Dinge zum Lob“. Aber ist das nicht eher etwas, wofür sie danken? Wo ist der Unterschied zwischen Dank und Lob?
AD: Ich glaub, das hängt zusammen. Wenn wir jemandem danken, dann loben wir ihn ja auch oder loben die Situation, dass er da ist oder dass diese schöne Begebenheit für uns da ist. Und wir brauchen Lob genauso sehr, wie wir auch einen Dank brauchen.
CS: Ah, da fällt mir was ein. Wenn ich zu meinem Sohn sage: „Danke für das Essen, das du gekocht hast, das war lecker“, dann ist das nicht dasselbe, wie wenn ich sage: „Ich finde, du bist ein toller Koch“. - Aber Lob, das verbinde ich auch mit Gott und Gottesdienst. Braucht Gott denn Lob?
AD: Da fällt mir einer meiner Professoren aus dem Studium ein. Er hat gesagt, wenn Gott uns etwas Gutes tut, wenn er uns segnet, dann ist unsere Antwort darauf Lob. Das hat er daran festgemacht, dass „baruch“ auf Hebräisch, was „Segen“ bedeutet, und „barach“, was „Lobpreis“ ist, zusammenhängen. Es ist das gleiche Wort.
CS: Baruch und barach. Lob und Segnen. Das passt gut zu meiner Karte. Da steht nämlich Lob und Dank zusammen. „Danke-schön, dass es dich gibt!“ Und weißt du, was ich mir vornehme: Bis zum nächsten Sonntag habe ich an eine Person, die ich jetzt noch nicht weiß, eine Karte geschrieben, in der ich sie lobe. Und ihr danke, dass sie da ist.
Auch in diesem Jahr können Sie Bekleidung, Schuhe Bettwäsche usw. bei und abgeben. Wir sammeln für Bethel vom 18.-25. Mai gut erhaltene Kleidung und Wäsche, Schuhe, Handtaschen, Plüschtiere und Federbetten – jeweils gut verpackt (Schuhe bitte paarweise bündeln).
zu Lukas 19,37-40 (Audio zum Nachhören unter diesem Beitrag)
Keep your faith, singt der Chor. Heute ist Lean On Me bei uns. Keep your faith. Wenn die Zeiten rau sind, wenn du dich schwach fühlst, wenn du eigentlich alles hinschmeißen willst und aufgeben – behalte deinen Glauben. Halte daran fest, auch in der dunkelsten Stunde. Stell dich in Gottes Gegenwart, bleib in der Reichweite seiner Macht.
Wie geht das, mich in Gottes Reichweite halten? Singen kann helfen. Manche von uns haben das schon als ganz kleine Kinder erfahren. Wenn die Mutter oder der Opa dich in den Schlaf gesungen hat. Müde bin ich, geh zur Ruh, schließe meine Augen zu. Vater, lass die Augen dein über meinem Bette sein. Mein Großvater konnte nicht wirklich singen, er brummte eher. Aber er faltete seine großen Hände über meinen kleinen. Und ich spürte, ich kann ruhig die Augen zumachen und mich der Dunkelheit überlassen, allein im Zimmer. Da ist ein Anderer, noch Stärkerer. Ein Vater im Himmel, dem auch mein Großvater vertraut. Hab ich Unrecht heut getan, sieh es, lieber Gott, nicht an. Deine Gnad und Jesu Blut machen allen Schaden gut.Auch Erwachsene machen Fehler. Gott macht sie wieder gut. Ich verstehe nicht, wie. Bloß, dass ich ruhig schlafen kann in seiner Reichweite.
Singen verbindet. Menschen untereinander und mit dem Stärkeren im Himmel. Körper und Seele werden eins. Worte und Klang tragen einander. Lieder, gesungene Gebete, in der Konfirmandenzeit gelernt oder im Zeltlager gesungen, haben sich mir eingeprägt. Überraschend, ohne dass ich darüber nachdenke, sprudelt Dank aus mir heraus, die pure Lust am Leben: Du, meine Seele, singe!Und manchmal, wenn ich verzagt bin und keine Worte habe zum Beten und keinen Adressaten weiß für mein Gebet, ist da noch ein Lied tief in mir drinnen: Du bist mein Zufluchtsort, ich berge mich in deiner Hand, denn du schützt mich, Gott; wann immer mich Angst befällt, traue ich auf dich.
Lieder hören wir auch in Jerusalem. Der Evangelist Lukas berichtet davon. Jesus betritt die Stadt. Er reitet auf einem Esel. Die Propheten haben einen König angekündigt, der auf dem Füllen einer Eselin daherkommt. Der Auftritt Jesu ist bescheiden. Die Jünger haben ihre Kleider auf den spitzen Eselsrücken gelegt und Jesus daraufgesetzt. Andere Anhängerinnen haben die Straße mit ihren Kleidern gepolstert. Nun zieht er ein. In Lukas 19 lesen wir:
Als er schon nahe am Abhang des Ölbergs war, fing die ganze Menge der Jünger an, mit Freuden Gott zu loben mit lauter Stimme über alle Taten, die sie gesehen hatten, und sprachen: Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe!
Keep your faith. Jesus zieht in die Stadt ein. Vom Ölberg aus. Über den Friedhof hinweg sieht man den Tempelberg. Nach Jerusalem schauen heißt die Zukunft vor sich sehen. Vor Jesus liegt das Leiden. Seine Jünger schauen nicht nach vorn. Sie blicken zurück auf das, was sie bis jetzt mit Jesus erlebt haben. Sie loben Gott und singen laut von allem, was Jesus getan hat in der Kraft von Gottes Geist. Er hat gezeigt, wie Gott sich seinen Menschenkindern zuwendet. Den Armen zuerst. Den Zerbrochenen. Den Ausgegrenzten. Den Bedürftigen. Den Gelähmten und Schuldbeladenen. Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn! So hat Simeon gesungen, als das Kind Jesus, wenige Tage alt, in den Tempel gebracht wurde. Als er in Frieden sterben konnte, weil seine Augen das Heil gesehen hatten. Friede im Himmel und Ehre in der Höhe! So haben die Hirten auf dem Feld die Engel singen hören, als es hell wurde mitten in der Nacht. Als sie als Allererste von der Geburt des Retters erfuhren. Doch halt. Das Lied der Engel ging anders. Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden. Jetzt singen die Jünger: Friede im Himmel! Der Erdenweg Jesu ist fast zu Ende. Auch wenn sie es noch nicht wissen. Jesus geht in den Himmel zurück. Er beruft seine Jüngerinnen und Jünger, den Weg weiterzugehen. Seinen Tod zu verkünden und von seiner Auferstehung zu singen, bis er wiederkommt. Bis alle sehen können, dass er der Herr ist.
Und einige von den Pharisäern in der Menge sprachen zu ihm: Meister, weise doch deine Jünger zurecht! Er antwortete und sprach: Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.
Einige, die das hören, fromme Männer, denen es wichtig ist, alles richtig zu machen auf dem Weg mit Gott, regen sich auf. Was, wenn den römischen Herren zu Ohren kommt, dass sie hier einen König ausrufen? Das wäre Aufruhr und würde das Leben für alle Frommen schwerer machen. Noch mehr stören sie sich daran, dass die Jünger Jesus von Nazareth als Retter feiern, der von Gott kommt. Das ist unerhört. Die Drohung der Pharisäer ist spürbar. Meister, bring deine Jünger zum Schweigen. Sonst können wir für deine Sicherheit nicht garantieren.
Jesus hält dagegen. Es hätte keinen Sinn, seinen Leuten den Mund zu verbieten. Gottes Macht wird sich durchsetzen. Wenn man die Jüngerinnen und Jünger mundtot macht, werden die Steine schreien. Jesus kann sehen, was bald geschieht: Der Tempel wird zerstört. Kein Stein bleibt auf dem andern in der Stadt. Die Bewohner werden zerstreut. Die Steine schreien und klagen sie an. Weil sie nicht erkannt haben, dass Gott mitten unter ihnen war. Die Steine bezeugen das Unrecht, wenn kein Mensch mehr da ist, der Gott die Ehre gibt.
Der Tempel ist zerstört worden. Eine Mauer ist stehengeblieben bis heute, am Fuß des Tempelbergs. Achtzehn Meter hoch. Ein heiliger Ort. Heller Kalkstein, riesige Quader. Die Mauer ist streng bewacht. Ein Bogen links der Mauer führt in eine Synagoge. Daneben ein geschützter Bereich für das Gebet der Männer, ein anderer für die Frauen. In Brust- bis Kopfhöhe ist der Stein dunkler und glänzt. Da haben Betende die Mauer betastet, die Stirn an den kühlen Stein gelegt. In den Fugen der Mauer, in den Rissen stecken gefaltete Papierfetzen. Männer und Frauen haben ihre Sorgen darauf geschrieben und ihre Hoffnungen, ihre Fragen, ihren Schrei zu Gott und, wer weiß, auch einen Dank, ein Glück. Das Geheimnis der Betenden bleibt gewahrt. Eine Sache zwischen ihnen und Gott. Zweimal im Jahr werden sie ungeöffnet herausgenommen und zum Ölberg getragen. Da werden sie begraben. Die Hoffnung bleibt lebendig, denn von da wird der Messias kommen, der Retter.
Kein Mensch hat die Zettel gelesen. Aber ungelesen sind sie trotzdem nicht. Was immer ein Mensch vor Gott bringt, er sieht und hört es. Sei es in Gedanken, auf einem Stück Papier, im Gebet, im Gespräch mit einer Freundin oder in einem Lied. Er nimmt wahr, was wir ihm anvertrauen.
Der Gesang der Jünger am Hang des Ölbergs klingt laut. Von da an geht es bergab, in die Stadt hinunter, in die Gefangenschaft, ans Kreuz. Und genau dieses Kreuz ist unser Hoffnungszeichen. Denn Jesus ist auferstanden! Aus dem Zerbrochenen, aus den Trümmern lässt Gott sein Heil erwachsen. Jesus ist im Namen des himmlischen Vaters gekommen. Nun sendet er seine Jüngerinnen und Jünger, dass sie in seinem Namen Zerbrochene aufrichten und sein Heil verkünden mit Liedern und Taten. Er sendet auch uns. Ob wir lebenslustig sind oder verzagt oder mal das eine, dann wieder das andere. Jedem und jeder von uns traut er zu, hier auf Erden etwas weiterzutragen von seinem Frieden.
Alle, die mir sind verwandt, Herr, lass ruhn in deiner Hand. Alle Menschen, groß und klein, sollen dir befohlen sein. So singt der Großvater am Bett der Enkelin. Und unser Chor, Lean On Me, singt das alte Lied neu: He’s got the whole world in His hands. Gott hält die ganze Welt. Er hält den Wind und den Regen. Er hält dich, wenn du weinst oder schreist oder kämpfst. An diesem Herrn will ich festhalten. Ihm meinen Kummer anvertrauen. Augen und Ohren offenhalten, wo Gott mich braucht. Und, vorerst noch im Stillen, einstimmen in sein Lob.
Quelle: Anne Dill 2013 / 2013 / 2015
Blick auf Jerusalem vom Ölberg her; Friedhof und Stadtmauer; Gebet an der Klagemauer
Jesus, mein Zimmermann Als unlängst mal wieder die Frage aufkam, ob Jesus denn nun ein Politiker, ein Sozialrevolutionär, ein Wunderheiler, ein religiöser Weiser oder ein Aufrührer - vielleicht mit Systemkritiker übersetzt - (gewesen) sei, fiel mir ein, dass Joseph, sein Vater, Zimmermann war. Und Jesus folglich, wie in der Zeit damals normal, bei seinem Vater dieses Handwerk erlernt und vielleicht auch - bis zum Beginn seines öffentlichen Auftretens - sogar ausgeübt hat.
Nun ist die Zimmerei damals wie heute ein vielgestaltiges Handwerk: vom Bauen von Häusern und Möbeln über temporäres Stützwerk für allerlei Konstruktionen, Modellbau bis hin zu Flößen, Booten, Fahrzeugen und dem Herstellen von Särgen und Spielzeug.
Für einige dieser Dinge gibt es natürlich über die Jahrhunderte gewachsene Spezialisierungen wie die Stellmacher, die Tischler, Bootsbauer und Holzschnitzer. Was also ist das Faszinierende an der Zimmerei? Zuerst einmal die Arbeit mit einem lebendigen Werkstoff: Holz, das nie gleichförmig und einheitlich ist. Die Konstruktion von Tragwerk für Gebäude, von ganzen Häusern, von Booten und Fahrzeugen, einer Wiege, einer Sitzbank, einer Truhe und der kleinen Figur eines Esels für sein Enkelkind. Der ganze Lebenskreis wird umfasst von der Wiege bis zum Sarg.
Und noch etwas ist besonders: Die Zimmerei ist ein Gewerk, wo nichts endgültig zerstört wird und vieles wiederverwertet wird. Aus einem alten, großen Stützbalken entstehen zwei kleine, ein gebogenes Aststück als Rest vom Hausbau passt als Bug für ein Boot. Ein überlasteter geborstener Balken im Fachwerk wird erst gestützt, dann ausgebaut und erneuert. Die morsche Planke im Boot, durch die das Wasser hereinkommt, wird ausgetauscht. Und das abgebrochene Beinchen des Spielzeug–Esels wird liebevoll geschient.
Und nun schaue ich auf mein Leben und meinen Glauben: Jesus hilft mir, mein Lebens- und Glaubens- „Haus“ zu bauen, er gibt mir Halt und feste Grenzen. Ich bin selbst ein lebendiger Werkstoff in seinen Händen, er schaut mich liebevoll an und weiß genau, wohin ich „passe“. Er versorgt mit den passenden Möbeln, so dass ich eine einladende Wohnstube habe und die Menschen neugierig werden, was denn das wohl mit dem Glauben ist. Er bringt mich sicher über die reißenden Ströme von Angst, Verlorenheit und Stress, weil ich im richtigen „Boot“ sitzen darf.
Und wenn die rauen Umstände des Lebens mein Haus an einigen Seiten schwächen oder morsch werden lassen, dann ist Er da und stützt und verstärkt und erneuert die angegriffenen Teile. Auf dem langen und manchmal anstrengenden Weg meines Lebens und Glaubens sorgt er für mein Vorwärtskommen durch Erfahrungen, Begegnungen, Möglichkeiten. Und selbst im Tod bin ich noch umfangen von Seiner Liebe und Überwinderkraft, weil Er auferstanden ist.
Und so ist Jesus für mich mein Zimmermann.
Quelle: Wolfgang Teuber/pixelio.de; Charlotte Scheller