Einfach herrlich: Gott, Jesus, Mensch Predigt-Collage zu Johannes 17,1-7

Sat, 09 Apr 2022 15:25:19 +0000 von Charlotte Scheller

von Janna Bösenberg und Charlotte Scheller
 
Jesus hob seine Augen auf zum Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist gekommen: Verherrliche deinen Sohn, auf dass der Sohn dich verherrliche; so wie du ihm Macht gegeben hast über alle Menschen, auf dass er ihnen alles gebe, was du ihm gegeben hast: das ewige Leben. Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen. Ich habe dich verherrlicht auf Erden und das Werk vollendet, das du mir gegeben hast, damit ich es tue. Und nun, Vater, verherrliche du mich bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war.
 
CS: Jesus betet für sich. Eigentlich ist ein Gebet doch etwas Intimes, eine Sache zwischen mir und Gott. Oder zwischen jemand anderem und Gott. Dann will ich nicht dabei sein. Ich hab noch im Ohr, was Jesus über das Beten gesagt hat: Wenn du betest, geh in dein Zimmer und schließ die Tür. Bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist.Matthäus 6, die Bergpredigt. Jetzt lässt er die Freunde mithören. Ich stelle mir vor, wie verwirrt sie sein müssen, angespannt, ratlos, traurig. Jesus hat gesagt: Es dauert nur noch kurze Zeit, dann seht ihr mich nicht mehr. Und dann nochmal eine kurze Zeit, und ihr seht mich wieder. Was redet er da, haben sie sich gefragt? Wie sollen wir das verstehen?
 
Jesus spricht vom Abschied. Wer will das schon hören, wer kann das verstehen, wenn einer, mit dem du eine wichtige Zeit in deinem Leben verbracht hast, vielleicht die allerwichtigste, wenn der plötzlich sagt, er geht weg? Mitten im Leben. Mitten im Miteinander. Mitten im Alltag, der mal mühsam ist und mal erfüllt, redet er davon, dass er bald nicht mehr da ist. Er wird sterben. Sie werden ohne ihn sein. Kein Wunder, dass sie sich die Ohren zuhalten und die Herzen auch. 
 
Und jetzt bricht Jesus seine eigenen Regeln. Er betet nicht im stillen Kämmerlein, sondern so, dass sie es mitkriegen. Er betet zum Vater. Es ist eine Sache zwischen ihm und Gott. Aber sie sind dabei. Sind hineingenommen in die Beziehung zwischen Jesus und dem Vater. Wie Kinder hineingenommen werden in das Gebet, das die Mutter vor dem Einschlafen spricht. Mag sein, sie verstehen die Worte nicht. Mag sein, sie spüren, die Betende an ihrem Bett ist erschöpft, überfordert, in Sorge. Vor allem aber spüren sie: Da ist jemand, dem die Mutter sich anvertraut. Gott im Himmel sieht, wie es ihr geht. Bei ihm sind ihre Sorgen aufgehoben. Er wird auch uns behüten. Wie eine Mutter die Kinder, so nimmt Jesus seine Freunde mit ins Gebet. 
 
JB: Gegenseitige Verherrlichung
Wie betet also Jesus zu Gott? Er bittet um Verherrlichung.
Aber Jesus weiß doch, dass „die Stunde“ gekommen ist. Er weiß, dass sein Weg an das Kreuz führen wird. Wie kann er da um Verherrlichung bitten?! Jesu Tod am Kreuz entbehrt doch jeder Herrlichkeit!
Er betet zu Gott nicht als Mensch, sondern als Gottes Sohn. Jesus geht in Gottes Fußstapfen auf Erden, um Gottes Werk zu vollenden und den Menschen ewiges Leben zu geben.
Jesus bittet Gott nicht einfach – er bietet seinem Vater auch etwas im Gegenzug: 
 
Wenn Jesus verherrlicht ist, ist gleichzeitig auch Gott verherrlicht. Gott und Jesus machen gegenseitig die Herrlichkeit des anderen sichtbar.
Was ist es, das da geschieht, wenn Gott und Jesus einander verherrlichen?
Jesus Wirken in der Welt macht Gottes Herrlichkeit sichtbar, Gott hat ihm die Menschen anvertraut. 
Jesus heilt Kranke, lässt Wunder geschehen und ergreift Partei für die, die von der Gesellschaft ausgestoßen wurden. Staunend erkennen die Menschen, dass Jesus von Gott gesandt ist. 
Auch Jesus Tod soll den Menschen eine Vergewisserung über Gottes Wirken sein.
Jesus bittet Gott: „Lass diesen Moment nicht mein Niedergang sein, sondern erhebe mich in den Himmel!“
Ob er damit wohl auch schon seine Auferstehung meint?
 
Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie waren dein, und du hast sie mir gegeben, und sie haben dein Wort bewahrt. Nun wissen sie, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir kommt. 
 
CS: Jesus betet für seine Jünger. Für die, die damals um ihn waren. Und für die, die sich heute an ihn halten. Jesus sagt: Vater im Himmel, ich habe auf der Erde deine Schönheit sichtbar gemacht. Deinen Reichtum. Deine Fülle. Deine Pracht. Deinen Glanz. Meine Mission ist erfüllt. Ewiger, ich habe dich bei den Menschen bekannt gemacht, die du mir anvertraut hast. Sie haben deine Herrlichkeit gesehen. Nun ist es an ihnen, deine herrliche Gegenwart aufzuspüren in der Welt. Sie sichtbar zu machen und sie kräftig zu feiern.
 
Wie sieht die Herrlichkeit aus? Wie der Rundumblick auf einem Dreitausender. Wie eine Braut am schönsten Tag ihres Lebens. Wie ein langer Tisch, festlich gedeckt, mit schimmernden Gläsern, flackerndem Kerzenlicht, prächtigen Früchten, üppigen Speisen und bunt durcheinandergewürfelten Gästen. Wie das Lächeln einer Genesenen, die ihr Gesicht in die Sonne hält. Wie ein Großvater, der sein Enkelkind auf seinen Knien reiten lässt. 
 
Wie klingt die Herrlichkeit? Wie das Konzert der Vogelstimmen im ersten Morgengrauen. Wie Kinderlachen. Wie das Summen der Insekten an einem Sommertag im Wald. Wie der Anfang des Weihnachtsoratoriums von Bach. Wie die Stimme eines Menschen, der sagt:  Ich mag dich auch. Wie ein sanfter Wind nach einem Sturm.
 
Wie riecht die Herrlichkeit? Wie der Frühjahrsregen. Wie eine Tasse Kaffee am Morgen. Wie der weiche Flaum auf dem Köpfchen eines Neugeborenen. Wie Tannengrün am Weihnachtsabend. Wie ein frisch gebackenes Brot.
 
Wie schmeckt die Herrlichkeit? Wie Großmutters Reibekuchen. Wie ein Brausebonbon. Wie der erste Kuss. Wie Erdbeeren mit Schlagsahne. Wie eine Kelle Erbsensuppe am Gänseliesel bei der Aktion „Keiner soll einsam sein“.
 
Wie fühlt sich die Herrlichkeit an? Wie die Rinde einer uralten Eiche. Wie ein heißes Bad nach einem Spaziergang im Regen. Wie kühles Gel auf einer brennenden Wunde. Wie der raue Pullover eines Menschen, der seine Arme um dich legt. Wie ein Rippenstoß, der sagt: Vergiss den Streit, wir sind doch Freunde. 
 
JB: Jesus war bei Gott, bevor die Welt war
All diese Herrlichkeiten lassen uns erahnen, wie groß die Herrlichkeit bei Gott ist. Wir können sie nicht einschätzen. Aber Jesus weiß, wie es da ist in seiner Herrlichkeit. Er war schon vor der Schöpfung bei Gott – schon da hatte er Herrlichkeit. 
Der Evangelist Johannes erklärt uns, was schon vor der Schöpfung von Raum und Zeit bei Gott war: Am Anfang war Gottes Wort.
Jesus ist das fleischgewordene Wort Gottes auf Erden. 
Er ist das Licht in der Finsternis, das in die Welt kam.
Jesus gehört zu Gott – das wird ausgerechnet am Kreuz deutlich.
Die Stunde ist gekommen, Jesu Zeit auf der Erde ist vorbei.
Jesus war schon vor der Welt bei Gott.
 
Es ist eine ganz, ganz schlimme Geschichte. Aber zu wissen, dass Jesus vorher bei Gott war, dass er wieder zu Gott geht und dass Gott auch auf der Erde die ganze Zeit bei ihm war, ist tröstlich für mich. Im Himmel, bei Gott, ist er herrlich. Das tröstet mich jetzt in der Passionszeit besonders. Ich sehe, dass die Menschen schlechte Dinge tun können. Sogar der ultimative Heiland wird Opfer von schlechten Taten der Menschen. Er hat es durchlebt und kommt zu Gott. Dann ist auch für uns Menschen Hoffnung, zu Gott zu kommen! Jesus ist das Licht, aber „die Finsternis hat’s nicht ergriffen“. Aber wer sich daran festhält, ist geborgen bei ihm. Als Kind war für mich der liebe Gott da. Auch weiterhin, in schwierigen Zeiten, denke ich an Gott. Ich sehe ihn ganz groß neben mir, an meiner Hand. Jesus ist Mensch geworden, damit wir sehen, Gott ist nicht irgendwo im Kosmos, sondern hier in der Welt.
 
Welch schöne Gewissheit!
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